Die Zukunftsmacherinnen – Podiumsdiskussion am 16.12.11

„Menschen, die sich nicht von der Gegenwart irritieren lassen“. Das sind für die Philosophin Carolin Emcke Zukunftsmacher*innen. Entscheidend für die Zukunft ist außerdem, dass diejenigen, die es betrifft, an der Entscheidung darüber, wie die Gesellschaft aussieht, beteiligt sind. Über Frauen, die die Welt verändern und ihre eigenen Erfahrungen sprechen die Philosophin, Kriegsreporterin und Publizistin Dr. Carolin Emcke, die Unternehmerin Heidi Schiller und der alternative Nobelpreisträgerin Monika Hauser.

Was Podiumsdiskussion „Die Zukunftsmacherinnen

Wann 19.30 Uhr

Wo ursprünglich Tollwood, Weltesalon, jetzt verlegt in: Bayerischer Rundfunk, Rundfunkplatz 1, Großer Sitzungssaal

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Digital ist besser? – Wie 1en und 0en den Zufall ausschalten, und so auch uns

Ein echtes „Ereignis“, also zum Beispiel Liebe oder die Revolution, ist ein Vorgang, der vorher nicht gedacht werden kann, „etwas, das nicht ins unmittelbare Gesetz der Dinge hineinpasst.“ So der französische Philosoph Alain Badiou. Wenn die unmittelbaren Gesetze der Dinge aber wie heutzutage die Programmierung von Abläufen und die Digitalisierung unseres Lebens vorsehen, wenn also die Gesetze nur noch vorgegebene Denkmuster und Handlungsoptionen zulassen, nur noch die Entscheidung zwischen 1 und 0, wenn unsere Welt nur auf ein entweder/oder programmiert ist, kann es dann noch zu echten Ereignissen kommen?

Dabei geht es nicht nur um ästhetische oder romantische Bedürfnisse nach Ganzheit, wie die Frage, wo die Zwischentöne in einem Song mit 320 kbps bleiben, wo das eigentliche Bild erscheint bei 310×413 Pixeln, und wo die zufällige Bekanntschaft bei der Partnersuche über singles-munechen.de. Sondern es geht auch um eine existentielle Frage:

Kann sich eine Gesellschaft weiterentwickeln, wenn sie den Zufall zunehmend verdrängt?

Die Menschheit hat sich nach der Evolutionstheorie zu dem entwickelt, was sie heute ist, weil es zufällige Mutationen im Erbgut gab, die sich später per Selektion durchgesetzt haben. Wenn wir die Digitalisierung in immer mehr Bereiche unseres Lebens vordringen lassen, geben wir dem Zufall und damit den Entwicklungspotentialen immer weniger Raum. Mehr Einsen udn Nullen heißt also weniger Entwicklungspotential.  1 + 0 = 0 (Ereignisse). Wissenschaftlicher Fortschritt, also nicht nur eine Verbesserung von Methoden, sondern tatsächlicher Erkenntnisgewinn wird begrenzt, wenn sich unsere Programme nur innerhalb des Denkbaren aufhalten. Etwas Neues, Unerwartetes, Unberechenbares kann so nicht entstehen. Ein badiou’sches Ereignis ist „subversiv und dem Gesetz fremd“.

Und Zufall lässt sich leider dem Begriff nach nicht programmieren.


40 Jahre ak – mit neuem Design und neuem Anspruch

analyse & kritik (ak) ändert anlässlich des 40. Jubiläums (Film von leftvisison) in der aktuellen Ausgabe Nr. 566 ihr Design und ihre Ansprache.

Zum einen, weil die „Zeitung für linke Debatte und Praxis“ eine verständliche Sprache spricht. In Kontrast zu anderen linken Zeitungen und Magazinen, die sich in einer kodifizierten Sprache aus Namedropping, Fremdwörtern und Schachtelsätzen gern Gleichgesinnten, mindestens aber Gleichgebildeten andienen und so durch Absonderung Identifikation erzeugen. Die ak wählt stattdessen nach journalistischen Grundprinzipien einfache Worte und erklärt Fremdwörter, wo sie nötig sind, in Fussnoten. So kann man ak-Artikel schon beim ersten Mal Lesen und auch mit nur 75-prozentiger Konzentration verstehen.

Zum anderen strukturiert sie sich klarer. Passend zum Vorsatz, einen breitenwirksamen „Beitrag zur Formierung einer außerparlamentarischen Linken in der Bundesrepublik“ zu leisten, legt die Redaktion der aktuellen Ausgabe  Nr. 566 auch gleich eine ak-Bedienungsanleitung bei: In den Büchern „Politik“, „Bewegungen“ und „Gesellschaft“ wollen die AutorInnen jeweils „Politik von oben“, „Politik von unten“ sowie die „verborgenen Mechanismen der Macht“ der Kulturproduktion dechiffrieren, deuten und dirigieren.

Danke. In ihrer Klarheit ist diese neue Aufmachung eine echte Bereicherung.


Fritz Stern entzaubert sich selbst – Rückblick auf Münchner Vortrag

Eigentlich hatte der Historiker Fritz Stern am Montagabend einen persönlichen und deshalb vielversprechenden Einstieg geliefert. Für ihn selbst, der 1938 aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA geflohen war, sei das „Land der Freiheit“ seit seiner Ankunft verheißungsvoll gewesen, der Inbegriff von Träumen und Wundern. Nun mache es ihn traurig, zu sehen, dass die USA an ihrem eigenen Anspruch gescheitert seien. Dem Anspruch, universelles politisches, moralisches und wirtschaftliches Vorbild zu sein.

Doch das Fragezeichen im Titel des Vortrags „Entzaubertes Amerika?“ deutete schon an, wie relativ seine Abkehr vom einstigen Vorbild war. Erwartbar kritisierte er die Politik von George W. Bush, die vorgetäuschten Gründe für den Irakkrieg 2003, die in US-Gefängnissen geübte Folter, die gefährliche Vermischung von Politik und Religion, die Verdummung der Bevölkerung, den von Fox News geführten Informationskrieg und die Politikverdrossenheit, die aus der Erkenntnis der Menschen resultiere, dass Korruption, Gier und Geld die Politik bestimmen.

Eine systematische Analyse aber, warum die Menschen ihre Häuser verloren, warum sie sich von einer demokratischen Teilhabe entfernt und vom Staat entfremdet haben, lieferte er nicht. Immerhin betonte Stern, was der eigentliche amerikanische Gemeinschaftssinn sei: das Ringen des Individuums nach Wohlstand und Eigentum. Was aber fehlte, war die sich daran anschließende Überlegung, ob nicht eine Ideologie, die die Konzentration des Einzelnen auf sein Schicksal in den Mittelpunkt stellt, mitursächlich für das Scheitern einer Gesellschaft sein könnte. Ob es nicht im liberalen Gesellschaftssystem selbst begründet liegt, dass die USA weder sozio-moralisch, noch wirtschaftlich, sondern lediglich noch militärisch überlegen sind.

Stattdessen lieferte Stern nur eine wenig systematische Aufzählung der fehlerhaften Politik der letzten 10 bis 15 Jahre. Und schwächte schließlich seine an Max Weber angelehnte These der Entzauberung ab. Wirklich im Niedergang begriffen seien die USA schließlich doch nicht, die politischen Gegengewichte seien zwar gering, aber die Innovationskraft  und die weltwirtschaftliche Vorbildsrolle bleibe bestehen. Schließlich sei, so Stern, die „Entzauberung“ auch gar nicht negativ zu werten, sondern als Chance, die USA nun endlich unverklärt zu betrachten.

So mündete ein vielversprechender Einstieg und ein verheißungsvoller Titel in eine unumstrittene Tatsachenbeschreibung und einen halbherzigen Optimismus. Verzaubertes Auditorium? Nein!


Münchens Multitude lernt sprechen – Rückblick Demo 15. Oktober

Sie sprachen spontan, in einfachen Sätzen und einige von ihnen zum erstem Mal. Über die Verstaatlichung von Banken, die Abschaffung von Geld, die negativen Auswirkungen von Zinsen. Manche mit zitternder Stimme, manche mit osteuropäischem Akzent, manche mit Hilfe einer Gitarre. Auf der Bühne am Münchner Stachus begann gestern eine Bewegung zu sprechen. Ein wichtiger Entwicklungsschritt für das Leben einer Bewegung. Menschen übten sich in Analyse, Argumentation, Kritik und Gegenentwürfen. Sie begannen, ihre Gedanken zu artikulieren. Zu prüfen, wie ihre Worte bei einem Publikum von knapp tausend Leuten ankommen. Und tasteten sich an Politik und Wirtschaft heran, von denen so viele glauben, sie seien zu kompliziert für Laien. Auch in München lernt so eine vielfältige Bewegung das Sprechen.


Samstag, 15. Oktober – Demonstration „Echte Demokratie Jetzt“

We are the 99% – gegen die Macht der Banken, gegen wachsende soziale Ungleichheit, gegen Sozialkürzungen, gegen die Privatisierung von Verlusten und die Verstaatlichung von Gewinnen – und für höhere Bürgerbeteilung, für eine Finanztransaktionssteuer, für Regulierungen des Finanzmarktes, für die Verstaatlichung von Banken und Versicherungen, für die stärkere Besteuerung von Börsen und Finanzinstitute treffen – geht morgen auch die Münchner Multitude auf die Straße.

Dazu SLAVOJ ŽIŽEK: Wir sind keine Träumer. Wir sind die Erweckung aus einem Traum, der sich in einen Albtraum verkehrt.

Dazu NAOMI KLEIN: Wenn es etwas gibt, das ich weiß, ist es, dass das 1 Prozent die Krise liebt. Wenn die Menschen in Panik geraten und verzweifelt sind und niemand zu wissen scheint, was zu tun ist, ist das die ideale Zeit, um ihre Wunschliste der konzernfreundlichen Politik durchzudrücken: Privatisierung von Bildung und von Sozialversicherung, Kürzung öffentlicher Dienstleistungen, die Abschaffung der letzten Beschränkungen für die Macht der Konzerne. Mitten in der Wirtschaftskrise geschieht dies auf der ganzen Welt.

Was Demonstration Echte Demokratie Jetzt

Wann Samstag, 15. Oktober 2011, 11 Uhr

Wo Stachus


Bravo verharmlost Vergewaltigung

Wie die Mädchenmannschaft berichtet, schildert die Jugendzeitschrift Bravo in ihrer Fotolovestory „Der One-Night-Stand“ eine Vergewaltigung, ohne diese zu thematisieren. Eine junge Frau betrinkt sich in der Geschichte und hat im Rausch Sex mit einem jungen Mann. Mit widerwilligem Gesichtsausdruck denkt sie dabei: „Was passiert hier mit mir? Oh Gott, das ging alles so schnell. Ich glaube, ich werde ohnmächtig…“ Das Passierte wird nur als „One-Night-Stand“ thematisiert. Der junge Mann stellt sich als HIV-positiv heraus, der in Kauf nimmt, die Frau zu infizieren. Auch dieser mitunter diskriminierende Teil der Geschichte wird nicht weiter thematisiert. Rügen an den Presserat sind schon eingegangen.