U-30-Party am Odeonsplatz – 16.000 Menschen bei Anti-ACTA-Demo in München

Tanzen und Hüpfen schien sehr wichtig auf der Münchner Anti-ACTA-Demo von gefühlt ausschließlich 12 bis 30Jährigen. Genauso wichtig natürlich auch die mit Popkultur und Rebel-Chic aufgeladene Guy-Fawkes-Maske, die auch den Höhepunkt der Demo bildete: die gemeinsame Vermummung.

Eine Aktion, die der Demo-Initiator Roland Jungnickel aus Rücksicht auf das Vermummungsverbot als Kunstaktion angekündigt hatte. Gemeinsam zogen sich die wenigen, die im Besitz einer der begehrten und ausverkauften Teile waren, die Masken vom Hinterkopf auf’s Gesicht. Dazu tanzten und hüpften die 16.000 Leute zum Kultsong „YMCA“ inklusive Choreographie, dafür auf „A-C-T-A“ umgetextet statt „Y-M-C-A“. Alles in allem also viel Feierlaune.

Dass die Guy-Fawkes-Maske dabei für viele Solidarität zu den Hackern von Anonymous und Freiheit im Internet ausdrück, war dabei wahrscheinlich nicht mal allen Anwesenden so ganz klar war. Das Publikum war für Demos völlig untypisch, schon allein wegen des Alters und schien vor allem Feiern zu wollen.

Wo die 16.000 Leute herkamen, zehn mal so viele wie angemeldet, und ob sie alle etwas mit ACTA anfangen konnten, blieb bis zuletzt unklar. Die Kritik an ACTA ist auch nicht leicht zu vermitteln. Das internationale Handelsabkommen soll eigentlich das Urheberrecht schützen, schafft praktisch aber die Technik zur komplexen Überwachung. ACTA verpflichtet unter Umständen Internetanbieter wie die Deutsche Telekom dazu, den Datenverkehr ihrer Kunden zu überwachen. Damit schafft es die Möglichkeit, Daten nicht nur zu überwachen, sondern im Zweifel auch zu kontrollieren. Kritik erfährt auch das undurchsichtige Zustandekommen des Vertrags durch eine Zustimmung im EU-Fischereirat. Der komplizierte Prozess bis zum tatsächlichen Inkrafttreten des Vertrags erschwert den konkreten Protest zusätzlich. Wahrscheinlich mussten auch wegen der Komplexität des Themas die VeranstalterInnen immer wieder Aufklärungsarbeit leisten.

Irgendetwas schien aber das für eine Demo völlig untypische Publikum dennoch zu fesseln. Die Partystimmung allein war es aber nicht. Vielmehr schienen sie hier eine innere Unzufriedenheit zu artikulieren. Am meisten Applaus erhielt schließlich auch Tarek, ein Redner, der nicht wie die anderen RednerInnen eine Partei oder Berufsgruppe vertrat, sondern als einfacher Bürger, heute hieß das „user“, vorgestellt wurde. Tarek sprach davon, dass er die Occupy-Bewegung unterstützen, endlich wirklich an der Demokratie teilhaben und sich nicht von Finanzmärkten beherrschen lassen wolle. Und das Publikum johlte, schrie und skandierte Stop-ACTA-Sprüche.

Vielleicht, so schien es, ist „Netz“ ja nur ein vordergründiges Thema für Protest in einer von den etablierten Themen und Strukturen desillusionierten Generation. Dahinter könnte eine neue Begeisterung für den Protest, aber auch eine in die breite Masse gehende Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Zuständen überhaupt zu stehen.

„Ich bin ein Ägypter“, schrie Tarek schließlich, „ich bin ein Grieche,“ und das Publikum johlte, „ich bin ein Russe“. Die internationale Solidarität mit aktuellen sozialen Protesten weltweit kam an. Die Rede ging in begeisterten „Tarek“-Rufen unter.


Leise und sachlich – Camila Vallejo in München

Ihren Auftritt hatten sich die meisten Zuschauer_innen im überfüllten DGB-Haus anders vorgestellt. Lauter, schärfer, irgendwie „revolutionärer“. Denn die chilenische Studentenführerin Camila Vallejo gilt als charismatische und präsente Symbolfigur der Bildungs- und Sozialproteste, die seit letztem Jahr Chile in Unruhe versetzen. Stattdessen überraschte die 23-jährige Geografiestudentin Camila Vallejo und ihre beiden Begleiter, die Aktivistin Karol Cariola und der Gewerkschaftsführer Jorge Murua. Nüchtern sprachen sie über die Folgen von Neoliberalisierung und Privatisierung für das Bildungs- und Sozialsystem. Sie wollten die Deutschen auf ihrer zehntägigen Tour vor allem wissen lassen, dass die Medien nach wie vor verschweigen, dass in Chile nicht nur Studierende protestierten, sondern vor allem auch die Arbeiterschaft.

Es war ein leiser Auftritt, unaufgeregt und sachorientiert. Camila Vallejo fühlte sich in ihrer Rolle als Anführerin ohnehin sichtbar unwohl und hielt sich zurück. Laut und revolutionär wurde es nur kurz, als einer der Initiator_innen der Tour an den ehemaligen chilenische Präsidenten und Sozialisten Salvador Allende erinnerte. Die große Solidarität, die ihm in Europa nach dem Putsch zuteil wurde, gebüre ihm noch heute. Und die aktuellen chilenischen Protestierenden stünden in dieser Traditon und genossen die gleiche Solidarität, was das Publikum ermunterte, ganz „revolutionär“ die Internationale Solidarität auszurufen.

Ob sich die Bewegung in Zukunft auch parlamentarisch organisieren werde, lautete eine der zum Glück geschlechtergerecht quotierten Publikumsfragen. Das sei unklar und momentan der entscheidender Diskussionspunkt. Unklar auch die Antwort auf eine Frage nach der „Alternative“, die die Bewegung anstrebe. Obwohl sich zumindest Camila Vallejo als Kommunistin bezeichnet, lautete die Antwort hier, dass man ein Rezept nicht habe, aber Steuer- und Sozialreformen notwendig seien. Waren zu radikale Antworten hier gefährlich? Oder dem deutschen Publikum nicht zuzumuten? Oder war man nach zehn Tagen einfach nur müde wie eine Punkband am Ende ihrer Tour? Die Antworten blieben mitunter vage.

Eine Antwort aber hatten sie. Ob sie keine Angst hätten nach Chile zurückzukehren und Repressalien ausgesetzt zu sein, wollte eine junge Frau wissen. Nein, so Jorge Murua – und spätestens hier wurde den circa 400 Zuschauer_innen im Saal klar, dass es nicht um die Inszenierung, sondern die Sache ging – der Kampf würde auch ohne sie weitergehen.


Queere Körper ohne queeres Bewusstsein – Vortrag zu Visual Kei im Gender Salon

Kann ich die Gesellschaft verändern, ohne das zu wollen? Diese Frage rankte sich rund um Nadine Heymanns Vortrag „Ich bin so’n Mittelding – Geschlecht und Körper im Visual Kei“.

So wie für die Berliner Studentin Nadine Heymann zu Beginn ihrer Feldforschung war auch für die meisten Leute im Publikum an diesem Abend nahezu alles über die aus Japan kommende Subkultur Visual Kei ziemlich neu. Welche Bands hört man in der Szene? Welche sozialen Netzwerke nutzt man? Was sind die Codes?

Nicht neu war das für zwei Leute aus der ersten Reihe, die sich bald als Visual Kei Fans zu erkennen gaben – vielleicht sogar noch für den ein oder anderen mehr, der oder die sich unter den knapp 30 Leuten in der Glockenbachwerkstatt aufhielt. Denn auch wenn die Kultur um Visual Kei vor allem aus einem unverkennbaren Styling besteht, sind seine Anhänger_innen im Alltag nicht unbedingt als solche zu erkennen. Skinny Jeans, Kajal um die Augen und aufgestellte Haare mit wechselnden Haarfarben tragen die meisten eher nur bei großen Szenetreffs wie dem „Bevis“ in Berlin, das mittlerweile drei Mal im Jahr stattfindet. Fans von Visual Kei, das 2005 in Deutschland populär wurde, sind im Schnitt zwischen 14 und 25. Einige von ihnen nennen sich in Anlehnung an ihre japanischen Idole „Visos“, andere lehnen diese Bezeichnung als unauthentisch ab.

Warum Visual Kei an diesem Abend im Gender Salon diskutiert wurde, einer monatlichen Veranstaltungsreihe des Gender-Lehrstuhls der Ludwig-Maximilians-Universität, war die Frage nach den Geschlechterrollen, die im Visual Kei auftauchen.

Denn Geschlechter sind im Visual Kei – anders als in vielen anderen Jugendkulturen wie dem Hip Hop – uneindeutig und wandelbar. Auf jeden Fall jenseits der Heteronormativität. Visual Kei Fans lehnen sich gern an das japanische Schönheitsideal des androgynen Mannes an und Homosexualität nicht kategorisch ab. Mädchen führen männlich kodierte Praxen aus wie Head Banging zu der meist an Metal angelehnten Musik. Je höher in der Hierarchieebene, je populärer die Protagonist_innen, desto stärker das Rollenspiel und schillernde Storys vom Spiel mit der Transsexualität.

Dabei haben – so die Analyse von Nadine Heymann  – die meisten Anhänger_innen von Visual Kei, anders als das gender-interessierte Publikum in der Glockenbachwerkstatt  – gar keinen Begriff von „trans“ oder „queer“. Visual Kei Fans haben eher nur ein Bild von sich als „nicht normal“, als „extrem“, als „abseits des Mainstreams“. Im Visual Kei ist man nicht politisch, man ist hedonistisch. Wovon die beiden anwesenden Vertreter_innen auch gern ein Beispiel gaben. Sie seien „einfach so“ dazu gekommen. Weil die Kultur „so offen“ sei, sie dort „sein können, wie sie sind“.

Viele Fragen taten sich auf. Kann man queer sein, ohne zu wissen, was queer ist? Kann man politisch handeln, ohne politisch zu denken? Wieviel autonomes Subjekt brauch ich für Subversion? Was haben Uneindeutigkeit und Neoliberalismus miteinander zu tun? Welche Rolle spielt der Konsum? Wie ist die Wirkungsrichtung? Suchen sich Jugendliche Visual Kei, weil sie dort queer leben können? Oder landen sie zufällig bei Visual Kei und lernen dort queere Praxen?

Leider konnten diese Fragen nur gestellt, nicht beantwortet werden. Weder von den Forscher_innen, noch von den Fans, die ihrerseits mit Skepsis die Sprache und Codes der Forscher_innen beobachteten. Ja, Visual Kei sei vielleicht „heteronormativ“ zögerten sie, sei vielleicht ein „Möglichkeitsraum“.

Auch ohne Antworten – ein gelungener Abend. Nicht zuletzt deswegen, weil hier die Forscher_innen bei der Forschung beobachtet wurden. Nämlich von den eigenen „Untersuchungsobjekten“. Auch so werden Verhältnisse geändert.


Langweilig und gefährlich – Christian Heller feiert die „Post-Privacy“

„Erst einmal in der Sichtbarkeit, sind Deine Tage gezählt.“ So schrieb das im Sommer 2011 das Unsichtbare Kommittee, ein Autorenkollektiv aus Frankreich, in seinem auch von bürgerlichen Medien wie SZ und FAS gefeierten Flugblatt „Der kommende Aufstand“.

„Erst einmal in der Sichtbarkeit, werden wir viel freier.“ So hingegen könnte das Fazit von Christian Heller klingen, dem selbsternannten Verkünder der Post-Privacy. Post-Privacy ist zunächst eine zutreffende Beschreibung unserer gegenwärtigen Gesellschaft, in der nicht nur wir selber den digitalen Exhibitionismus betreiben, sondern auch der Staat stille SMS verschickt, das iPhone Bewegungsprofile von uns anlegt, Google unsere sexuellen Vorlieben entschlüsselt und Facebook unsere Gesichter biometrisch vermisst. Post-Privacy ist für Christian Heller aber vor allem Lifestyle: „Prima leben ohne Privatsphäre“ lautet deshalb der Untertitel seines Buches.

Heller träumt darin naiv von einer transparenten Gesellschaft, in der jeder alles über jeden weiß. Privatsphäre sei heute im Gegensatz zu früher total überschätzt, Kontrollverlust hat enorme Vorteile, und wir müssen nur Taktiken entwickeln, die Gesellschaft noch transparenter zu machen.

Heller lässt große Namen fallen, spricht von dem französischen Philosophen und Poststrukturalisten Michel Foucault, zitiert den amerikanischen Soziologen Richard Sennett und lässt oft das Wort „Macht“ fallen.

Doch gerade die Machtfrage ist es, die Heller komplett unterschätzt. „Das ist total uninteressant“, findet deshalb zu Recht eine Zuschauerin im Anschluss an die Lesung und zuckt mit den Schultern. Doch „uninteressant“ heißt in dem Fall eher „gefährlich“. Denn es gibt keine Ordnung, ohne eine hegemoniale Ordnung. Auch unter vermeintlich Gleichen wird immer eine Partei die dominierende sein. Und seien es die  „rebellischen Datenguerilleros“, die Heller sich wie ein naives Kind erträumt, die Staaten und Privatunternehmen ebenfalls durchleuchten. Dass auch das ein elitärer Zirkel bleibt, der das Wissen und damit die Macht in Händen hält, verkennt er. Sepp Huber und Lischen Müller beobachten nicht, sie werden beobachtet.

Heller unterschätzt auch das Diktat des Mainstream. Angeblich fordere die totale Transparenz dann von der ganzen Welt mehr Toleranz, auch gegenüber Minderheitenmeinungen. Doch „dem Homosexuellen auf Jamaica bringt es nichts, dass er einen ebenfalls homosexuellen Freund in New York hat, wenn seine Nachbarn in Jamaica in wegen seiner Homosexualität umbringen.“, kontert ein Zuschauer. Minderheiten brauchen Rückzugsräume, brauchen queer-feministische Wagenplätze oder Gay Nights in der Großstadt. Minderheiten brauchen Räume der Gegenhegemonie. Räume, in denen sie ihre Ansichten zunächst erproben und erst in einem nächsten Schritt nach draußen an die Öffentlichkeit treten.

Rückzugsräume für eine Gegenöffentlichkeit gibt es in Hellers Post-Privacy-Utopie nicht. Das ist nicht nur langweilig, sondern gefährlich.


40 Jahre ak – mit neuem Design und neuem Anspruch

analyse & kritik (ak) ändert anlässlich des 40. Jubiläums (Film von leftvisison) in der aktuellen Ausgabe Nr. 566 ihr Design und ihre Ansprache.

Zum einen, weil die „Zeitung für linke Debatte und Praxis“ eine verständliche Sprache spricht. In Kontrast zu anderen linken Zeitungen und Magazinen, die sich in einer kodifizierten Sprache aus Namedropping, Fremdwörtern und Schachtelsätzen gern Gleichgesinnten, mindestens aber Gleichgebildeten andienen und so durch Absonderung Identifikation erzeugen. Die ak wählt stattdessen nach journalistischen Grundprinzipien einfache Worte und erklärt Fremdwörter, wo sie nötig sind, in Fussnoten. So kann man ak-Artikel schon beim ersten Mal Lesen und auch mit nur 75-prozentiger Konzentration verstehen.

Zum anderen strukturiert sie sich klarer. Passend zum Vorsatz, einen breitenwirksamen „Beitrag zur Formierung einer außerparlamentarischen Linken in der Bundesrepublik“ zu leisten, legt die Redaktion der aktuellen Ausgabe  Nr. 566 auch gleich eine ak-Bedienungsanleitung bei: In den Büchern „Politik“, „Bewegungen“ und „Gesellschaft“ wollen die AutorInnen jeweils „Politik von oben“, „Politik von unten“ sowie die „verborgenen Mechanismen der Macht“ der Kulturproduktion dechiffrieren, deuten und dirigieren.

Danke. In ihrer Klarheit ist diese neue Aufmachung eine echte Bereicherung.


Fritz Stern entzaubert sich selbst – Rückblick auf Münchner Vortrag

Eigentlich hatte der Historiker Fritz Stern am Montagabend einen persönlichen und deshalb vielversprechenden Einstieg geliefert. Für ihn selbst, der 1938 aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA geflohen war, sei das „Land der Freiheit“ seit seiner Ankunft verheißungsvoll gewesen, der Inbegriff von Träumen und Wundern. Nun mache es ihn traurig, zu sehen, dass die USA an ihrem eigenen Anspruch gescheitert seien. Dem Anspruch, universelles politisches, moralisches und wirtschaftliches Vorbild zu sein.

Doch das Fragezeichen im Titel des Vortrags „Entzaubertes Amerika?“ deutete schon an, wie relativ seine Abkehr vom einstigen Vorbild war. Erwartbar kritisierte er die Politik von George W. Bush, die vorgetäuschten Gründe für den Irakkrieg 2003, die in US-Gefängnissen geübte Folter, die gefährliche Vermischung von Politik und Religion, die Verdummung der Bevölkerung, den von Fox News geführten Informationskrieg und die Politikverdrossenheit, die aus der Erkenntnis der Menschen resultiere, dass Korruption, Gier und Geld die Politik bestimmen.

Eine systematische Analyse aber, warum die Menschen ihre Häuser verloren, warum sie sich von einer demokratischen Teilhabe entfernt und vom Staat entfremdet haben, lieferte er nicht. Immerhin betonte Stern, was der eigentliche amerikanische Gemeinschaftssinn sei: das Ringen des Individuums nach Wohlstand und Eigentum. Was aber fehlte, war die sich daran anschließende Überlegung, ob nicht eine Ideologie, die die Konzentration des Einzelnen auf sein Schicksal in den Mittelpunkt stellt, mitursächlich für das Scheitern einer Gesellschaft sein könnte. Ob es nicht im liberalen Gesellschaftssystem selbst begründet liegt, dass die USA weder sozio-moralisch, noch wirtschaftlich, sondern lediglich noch militärisch überlegen sind.

Stattdessen lieferte Stern nur eine wenig systematische Aufzählung der fehlerhaften Politik der letzten 10 bis 15 Jahre. Und schwächte schließlich seine an Max Weber angelehnte These der Entzauberung ab. Wirklich im Niedergang begriffen seien die USA schließlich doch nicht, die politischen Gegengewichte seien zwar gering, aber die Innovationskraft  und die weltwirtschaftliche Vorbildsrolle bleibe bestehen. Schließlich sei, so Stern, die „Entzauberung“ auch gar nicht negativ zu werten, sondern als Chance, die USA nun endlich unverklärt zu betrachten.

So mündete ein vielversprechender Einstieg und ein verheißungsvoller Titel in eine unumstrittene Tatsachenbeschreibung und einen halbherzigen Optimismus. Verzaubertes Auditorium? Nein!


Münchens Multitude lernt sprechen – Rückblick Demo 15. Oktober

Sie sprachen spontan, in einfachen Sätzen und einige von ihnen zum erstem Mal. Über die Verstaatlichung von Banken, die Abschaffung von Geld, die negativen Auswirkungen von Zinsen. Manche mit zitternder Stimme, manche mit osteuropäischem Akzent, manche mit Hilfe einer Gitarre. Auf der Bühne am Münchner Stachus begann gestern eine Bewegung zu sprechen. Ein wichtiger Entwicklungsschritt für das Leben einer Bewegung. Menschen übten sich in Analyse, Argumentation, Kritik und Gegenentwürfen. Sie begannen, ihre Gedanken zu artikulieren. Zu prüfen, wie ihre Worte bei einem Publikum von knapp tausend Leuten ankommen. Und tasteten sich an Politik und Wirtschaft heran, von denen so viele glauben, sie seien zu kompliziert für Laien. Auch in München lernt so eine vielfältige Bewegung das Sprechen.